Berufspilot

Ausbildung Deutschland

Die JAR-FCL 2 sieht drei Möglichkeiten vor, die Berufspilotenlizenz zu machen:

  • CPL(H) in durchgehender Ausbildung nach Anhang 1 zu JAR-FCL 2.160 und 2.165 (a)(2). Das ist die schnellste und vernünftigste Möglichkeit für ‚Fußgänger', direkt zum JAR-CPL(H) zu kommen.
  • CPL(H) in durchgehender Ausbildung nach Anhang 1 zu JAR-FCL 2.160 und 2.165 (a)(2) unter Anrechnung von 40 Stunden aus einem bereits bestehenden PPL(H). Hier können sich PPL(H)-Inhaber einen Teil ihrer Erfahrung anrechnen lassen. Von der Flugerfahrung mit dem PPL(H) werden 50% angerechnet, maximal jedoch 40 Stunden. Es müssen also mindestens 80 Stunden Gesamtflugerfahrung vorliegen, um die maximale praktische Erleichterung zu bekommen. Die theoretischen Kenntnisse werden insofern anerkannt, als dass 50 Stunden weniger Theorieunterricht besucht werden muss.
  • CPL(H) in modularer Ausbildung nach Anhang 1 zu JAR-FCL 2.160 und 2.165 (a)(3). Angehende Berufspiloten, die diese Ausbildung machen wollen, müssen einen PPL(H) haben mit mindestens 155 Stunden Flugerfahrung, davon 50 Stunden als verantwortlicher Pilot und 10 h Überlandflug. Sie müssen dann ebenfalls 500 Stunden Theorieunterricht belegen, jedoch nur 30 Stunden praktische Ausbildung (bzw. 35 Stunden, wenn keine Nachtflugqualifikation vorliegt). Dieser Weg macht Sinn für PPL(H)-Inhaber, die schon einige Stunden (mindestens 155 Stunden) Flugerfahrung haben und somit nicht mehr so viel in die praktische Ausbildung investieren müssen.

Zum Download habe ich einen Vergleich der Kosten und der Ausbildungsdauer der verschiedenen Wege erstellt.

Bei jedem der drei Ausbildungswege müssen vor Beginn der Ausbildung die hier aufgelisteten Dokumente vorgelegt werden. Auch müssen alle Bewerber für einen CPL(H) in einem Vorverfahren ihre ausreichenden Kenntnisse in den Fächern Mathematik, Physik und Englisch nachweisen. Die Theorieausbildung umfasst 550 Stunden a 60 Minuten in den Fächer ‚Luftrecht und Flugverkehrskontrollverfahren', ‚Allgemeine Luftfahrzeugkenntnisse', ‚Flugleistung und -planung', 'Menschliches Leistungsvermögen', 'Aerodynamik', ‚Meteorologie', ‚Navigation', ‚Betriebliche Verfahren' und ‚Sprechfunkverkehr'. Für Inhaber eines PPL(H) reduziert sich die Theorie auf 500 Stunden. Der Präsenzunterricht kann durch Belegen eines Fernkurses auf 50% und damit einen Zeitblock von 9-10 Wochen reduziert werden. Hierbei sollte aber jeder kritisch prüfen, ob er wirklich der Typ für ein Selbststudium ist.

In Deutschland gibt es eine theoretische Prüfung beim Luftfahrt-Bundesamt, die Prüfungen in den einzelnen Fächern umfasst und 3 Tage dauert. Die praktische Prüfung wird meistens am Ausbildungsstandort mit einem vom LBA beauftragten Prüfer absolviert. Bei diesem Prüfungsflug gibt es im Gegensatz zu den USA aufgrund der ausführlichen schriftlichen Prüfung keinen expliziten mündlichen Prüfungsteil mehr, der in den USA für den CHPL durchaus 3-4 h dauern kann.

Die modulare Ausbildung, deren Voraussetzung bereits ein PPL(H) ist, dauert laut Angaben der Flugschulen mindestens 6 Monate, in der Praxis aber eher 12-15 Monate. Die durchgehende Ausbildung soll in 12 Monaten möglich sein, ich habe aber mehr Leute gesehen, die dafür 18-24 Monate gebraucht haben. Einen realistischen Vergleich der Ausbildungdauer gibt es hier.

Die meisten Bedenken haben viele bei den medizinischen Anforderungen für das fliegerärztliche Tauglichkeitszeugnis. Diese sind jedoch niedriger als die meisten denken. Insbesondere im Bereich der Fehlsichtigkeit sind größere Toleranzen erlaubt als allgemein angenommen wird. Wer genaue Auskünfte auf persönlichen medizinischen Fragen haben möchte, sollte sich am besten an einen Fliegerarzt wenden. Diese geben gerne auf allgemeine Fragen oft auch schon telefonisch eine Auskunft.

Weitere Antworten um Fragen zu den Formalitäten für den CPL(H) sind in den FAQ enthalten.

Ein Hinweis, der für alle Ausbildungen sowohl in den USA als auch in Deutschland gilt, ist mir noch sehr wichtig: Eine gute Ausbildung hat ihren Preis. Der günstigste Anbieter kann gerade in diesem Markt nicht der beste sein, weil es keine Bereiche gibt, in denen es wirkliche Einkaufsvorteile gibt. Wer billig ist, muss an der Wartung sparen oder an der Qualität der Lehrer oder er ist unseriös an anderen sicherheitsrelevanten Punkten. Deshalb würde ich niemals bei der günstigsten Flugschule meinen Schein machen und ich würde fragen, wie lange es die Schule in ihrer jetzigen Form schon gibt. Viele Flugschulen machen nämlich regelmäßig alle 5-10 Jahre bankrott, öffnen unter ähnlichem Namen wieder und lassen dabei einige Schüler mit ihrem bereits gezahlten Geld sitzen.