Fluglehrer
Zweck oder Berufung
Gerade bei Fluglehrern gibt es meiner Erfahrung nach die weiteste Bandbreite an Fähigkeiten, Persönlichkeiten und Motivationen. Das Problem ist, dass man als fliegerischer Anfänger nicht beurteilen kann, wie gut ein Fluglehrer ist. Aber das ist oft auch ganz gut so, denn sonst gäbe es wohl sehr viel mehr arbeitslose Fluglehrer. In Amerika heißt es: ‚Wenn Du erst einmal einen guten Fluglehrer gefunden hast, dann lasse ihn nicht mehr los'.
In Europa ist die Ausbildung zum Fluglehrer recht aufwändig und teuer, dafür es die einzige Möglichkeit, schon mit einem PPL(H) Geld zu verdienen und Stunden zu sammeln. In Amerika braucht man zwar einen CHPL, um Fluglehrer zu werden aber auch dort führt der Weg zu den ersten 500 oder 1.000 Flugstunden meist nicht am Fluglehrerschein vorbei.
Ich habe in meiner fliegerischen Laufbahn nicht sehr viele Fluglehrer erlebt, die Tag für Tag mit voller Begeisterung 8 Stunden täglich in einem kleinen Cockpit sitzen und einen nach dem anderen Flugschüler daran hindern, sich selbst und den Fluglehrer umzubringen. Ich habe erheblich mehr Fluglehrer erlebt, die das Fluglehrerleben als notwendiges Übel gesehen haben, um nach Erreichen der magischen 1.000 Stunden endlich in das ‚richtige' Fliegerleben zu gehen. Entsprechend schwach war leider oft auch die Qualität, die Motivation und der persönliche Spaß an der Ausbildung. Ich habe auch schon Lehrer erlebt, die besser im Showbusiness aufgehoben wären, da sie sich mit sinnlosen und oft gefährlichen Manövern selbst darstellen mussten und damit das Geld des Flugschülers verschwenden. Wer also einen dieser Typen in der Flugausbildung erwischt, der sollte schnellstens zum Ausbildungsleiter seiner Schule gehen und um einen anderen Fluglehrer bitten.
Trotz allem ist der Weg über die Fluglehrertätigkeit ein vernünftiger und oft auch der einzige Weg, um in kurzer Zeit an die notwendige Flugerfahrung zu kommen. Das permanente Vorführen und Überwachen von Notmanövern schult dabei auch stark das eigene Können. In großen amerikanischen Schulen ist es üblich, das man als Fluglehrer 60-80 h pro Monat schult und somit innerhalb der 24 Monate des J-1 Visum nach der eigenen ca. 6-monatigen Fluglehrerausbildung noch auf 1200 - 1500 h Flugerfahrung kommt.