Privatpilot

Ausbildung USA PPL(H)

Wer in einen PPL(H) machen möchte, der sollte sich gut überlegen, ob er ihn in Deutschland oder in den USA machen möchte. Die Ausbildung unterscheidet sich vor allem in drei Punkten. Zum einen wird in Amerika sehr viel mehr Wert auf die praktische Ausbildung gelegt als in Deutschland. Zum zweiten geht die Ausbildung in den USA erheblich schneller, was zum einen an den sehr viel größeren und professionelleren Schulen, zum anderen aber auch an den Verwaltungsabläufen liegt. Und zum dritten ist die Ausbildung inklusive Umschreibung und Nebenkosten in Amerika immer noch günstiger als in Deutschland. Die Nachteile: Ein gewisses Maß an Englischkenntnissen ist gefragt, da die Ausbildung und Prüfung in Englisch stattfindet. Im Gegensatz zu Deutschland kann alleine die mündliche Prüfung bis zu 3 h dauern! Man muss dann noch die Möglichkeit haben, mindestens 3 Wochen Aufenthalt am Stück einplanen zu können. Die Ausbildung ist ohne großen Stress in 6-8 Wochen am Stück zu schaffen oder eben in 2-3 kürzeren Anläufen.

Der große Vorteil in Amerika ist das hohe Servicelevel. Hier ist der Flugschüler Kunde und wird ‚auf Händen getragen’. In Deutschland hat man es dagegen öfters mit dem mehr oder weniger selbstgefälligen Fluglehrer zu tun, der vergleichsweise wenig Motivation an den Tag legt. In Deutschland begegnet einem dazu noch manchmal der eher militärische Ton, was eben nicht jeder mag. Dafür sind die Fluglehrer in Deutschland oft erfahrener, weil es viele inhabergeführte Flugschulen gibt und die Lehrer eine teure und aufwändige Ausbildung hinter sich haben und deshalb länger in diesem Job arbeiten. In Amerika fliegen oft sehr junge und unerfahrene Piloten als Fluglehrer, um die Stunden zu sammeln, mit denen sie später einen Job als Berufspilot bekommen.

Wichtig ist sowohl in Deutschland wie auch in den USA, dass man sich darüber Gedanken macht, welche Art von Ausbildung man mag. Ein 20- oder 30 jähriger, der den PPL(H) als Grundlage für seinen späteren Berufspilotenschein macht, ist sicher in einer der großen professionellen Schulen besser aufgehoben als der 55-jähriger Flächenflieger, der noch zum Spaß und mit viel Zeit sein Helicopter-Add-On machen möchte. Ein solcher erfahrener Flieger fühlt sich mit Sicherheit in einem ‚Mom-and-Pop-Shop’ mit einem oder zwei Hubschraubern in einer amerikanischen Kleinstadt besser aufgehoben. Dort hat er einen älteren, hocherfahrene Vietnamveteranen als Fluglehrer und da dieser gleichzeitig der Inhaber ist, sorgen er und seine Frau auch für den sozialen Anschluss.

Gleich, welche Art von Schule man bevorzugt: Aus meiner Erfahrung gibt es drei Punkte, bei denen man sofort stutzig werden sollte:

  1. Wenn eine Schule auf Vorauszahlung besteht oder bei Vorauszahlung erheblich günstigere Preise macht, ist Vorsicht geboten! Bei Schulen, die finanziell stabil sind, kann man problemlos nach jeder Flugstunde bezahlen und ist somit unabhängig.
  2. Eine Schule muss ein Visum ausstellen können. Wenn eine Schule kein Visum ausstellen kann, sondern den Schülern empfiehlt, auf ein Touristenvisum zu kommen oder das Visum über andere Firmen wie Sprachschulen holt, dann ist höchste Vorsicht geboten. Vergehen gegen Visumbestimmungen sind Bundesverbrechen und man hat es hier sofort mit dem FBI zu tun, da man in die Schublade ‚potentieller Terrorist’ geschoben wird. Und: Es gibt immer einen Grund, warum der amerikanische Staat es nicht genehmigt, dass eine Flugschule ein Visum ausstellen darf, sei es wegen der Zuverlässigkeit des Inhabers oder wegen anderen Hintergründen!
  3. Eine weitere Warnlampe sollte angehen, wenn eine Schule einen Pauschalpreis für einen Pilotenschein anbietet. Das kann keine seriöse Schule machen, da jeder Flugschüler ganz unterschiedlich fliegen lernt. Bei solchen Angeboten werden die Schüler oft nur unzureichend ausgebildet und nach den pauschalen Stunden dann irgendwie durch die Prüfung gebracht. Meist wird an den Notmanövern gespart, was nicht nur unverantwortlich ist, sondern solche Schulen aus meiner Sicht sehr gefährlich macht. Schulen dieser Art sorgen dafür, dass die amerikanische Ausbildung in Deutschland keinen guten Ruf hat.

Ein Unterschied, der bei der Privatpilotenausbildung zwar in der Praxis unbedeutend ist, aber doch etwas über die Qualität einer Flugschule aussagt, ist die Unterscheidung nach Part 61 oder Part 141. Diese Bezeichnungen stehen für Abschnitte im amerikanischen Luftfahrtgesetz 14 CFR. Kurz gesagt, müssen nach Part 141 weniger Pflichtstunden geflogen werden, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Das liegt daran, dass Schulen, die nach Part 141 zugelassen werden, ein Schulungsprogramm bei der FAA genehmigen lassen müssen. Da die Ausbildung dann strikt nach diesem Programm ablaufen muss, kann man theoretisch mit nur 36 praktischen Ausbildungsstunden zur Prüfung gehen. Da eine solide Ausbildung jedoch im Schnitt 50-60 Stunden dauert, ist das in der Praxis unerheblich. Trotzdem ist die Zulassung nach Part 141 ein Qualitätsmerkmal, weil eine Part 141-Schule ihre Ausbildungspläne durch die FAA genehmigen lassen muss und dafür gewisse Mindestanforderung an die Qualität der Räumlichkeiten, die Unternehmensstruktur und die finanzielle Ausstattung nachzuweisen hat.