Robinson vs. Schweizer

Mast Bumping

Wohl jeder hat die Begriffe ,Low G' und ‚Mast Bumping' und die schauerlichsten Geschichten in Zusammenhang mit Robinson-Hubschraubern gehört. Vor allem in Deutschland, wo es einige tödliche R 44-Unfälle gegeben hat, bei denen die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit im ‚Mast Bumping' lag, schwebt dieses Problem noch immer als Schreckgespenst über Robinson-Hubschraubern.

,Mast Bumping' ist der Anschlag des Rotors am Rotormast mit der Möglichkeit, dass sich der gesamte Rotor vom Mast separiert. Dieser Zustand folgt einer ‚Low G'-Situation, ein Flugzustand, in dem man sich schwerelos fühlt, gefolgt von einer Steuereingabe am Stick nach vorne (dem sogenannten ‚push-over'). Eine solche Steuereingabe führt zur Entlastung der Rotorebene - die Maschine ‚hängt' quasi kaum mehr mit ihrer Masse am Rotor. Durch die Neigung der Nase nach unten hat der Heckrotorschub eine im Vergleich zur Rotorebene hohen Angriffspunkt und sorgt damit für ein schnelles Rollen des Hubschraubers nach rechts. Wenn der Pilot nun als Gegenreaktion zur entstehenden Rollmoment eine entsprechend große Steuereingabe nach links macht, kann der freischwingend aufgehängte Zweiblattrotor zu einer so starken Bewegung gebracht werden, dass der Rotor mit großer Wucht am Mast anschlägt. Dieses Anschlagen sorgt dafür, dass sich der gesamte Rotor vom Hubschrauber trennt. Ja nach genauem Unfallverlauf kommt dazu oft noch das Abtrennen des Heckauslegers durch den Hauptrotor.

Natürlich bricht bei Hubschraubern wie dem R 22 und R 44 mit ihren gewichtssparenden Mastkonstruktionen der Rotormast im Falle von ‚Mast Bumping' leichter als bei schweren Konstruktionen. Aber selbst stabilere Konstruktionen halten den enormen Kräften beim Anschlag am Rotormast nicht stand, wie die Unfallreports der Muster Bell AH-1G, Bell UH-1H, Bell 212 in den USA, Bell 212 in Canada, Bell 206, Hiller UH-12E, Mini 500, zeigen. Die einzige Chance, nicht von ‚Mast Bumping' umgebracht zu werden, ist entweder keinen Hubschrauber mit Zweiblattrotor zu fliegen oder einfach die Flugzustände zu vermeiden, in denen es dazu kommen kann. Und das ist relativ einfach. Das ‚Mast Bumping' entsteht nämlich nur, wenn ein Pilot sich willentlich in diesen Zustand fliegt (in den 80er Jahren wurde der ‚Low G'-Zustand zur Ausbildung sogar aktiv erflogen) oder wenn er in solche extremen Turbulenzen fliegt, dass die Rotorebene zeitweise entlastet wird. Einfach so oder versehentlich kommt man auf keinen Fall in einen solchen Flugzustand und wenn er entsteht, ist er durch die richtige Steuerreaktion relativ einfach zu beherrschen.

Nur 9 von 334 Unfällen mit R 22-Hubschraubern in den Jahren 1979-1994 in den USA haben ‚Mast Bumping' als Unfallursache. Die Experten sind sich einig, dass sowohl der R 22 als auch der R 44 sichere Hubschrauber sind, solange sie in ihren Betriebsgrenzen geflogen werden. Um den Piloten die Grenzen der Maschinen noch einmal zu verdeutlichen, wurden aber gesetzliche Regelungen zu Windbeschränkungen bei unerfahrenen Piloten und Sicherheitstrainings eingeführt. Viele dieser Maßnahmen waren nach der Unfallserie mit Robinson-Hubschraubern politisch motiviert, haben aber in den vergangenen Jahren für einen deutlichen Rückgang der Unfälle mit Robinson-Hubschraubern gesorgt.