Robinson vs. Schweizer

Turbine vs. Kolbenmotor

Es ist keine Frage, dass der Sound beim Anlassen einer Turbine die Augen leuchten lässt und der Geruch von Kerosin unschlagbar ist. Der Anlasser eines Kolbenmotors erinnert da schon eher an einen alten VW Käfer und wenn er sich im Winter auch noch beim Anspringen schwer tut, dann erntet man schon leicht fragende und zweifelnde Blicke von Passagieren, die zum ersten Mal in einem Hubschrauber sitzen.

Ein altes Gerücht besagt jedoch, dass Turbinen auch zuverlässiger sind als Kolbentriebwerke. Und hier muss man schon deutlich differenzieren, von welchem Hubschraubertyp man redet, denn das Thema Zuverlässigkeit bei Kolbentriebwerken hat seit Frank Robinson eine neue Bedeutung bekommen. In den Anfängen der gewerblichen Fliegerei (und das auch erst in den 50er Jahren) waren die Designs neu, die Materialien schwer und die Motorentechnologie wenig ausgereift. Um die komplexen Hubschrauber mit vernünftiger Zuladung in die Luft zu bekommen, wurden in früheren Hubschraubern bewährte Kolbentriebwerke verwendet und deren Drehzahl um 10-20 % erhöht, um bei gleichem Gewicht 10-20% mehr Leistung zur Verfügung zu haben. Was man damals nicht wusste: Durch die hohen Drehzahlen litt die Zuverlässigkeit, was in vielen Fällen bedeutete, dass die Triebwerke vor dem Überholungsintervallen stehen blieben. Wie der weitere Verlauf des Fluges war, war dann stark von der Erfahrung und dem Glück des Piloten abhängig.

Frank Robinson hatte bei Entwicklung des R 22 schon bessere technische Möglichkeiten und drosselte die Leistung der Motoren, um in großen Höhen und bei hohen Temperaturen Leistungsreserven zu haben. Der positive und durchaus gewollte Nebeneffekt: Die Triebwerke liefen sehr viel gesünder und in der Tat ist die Rate der rein technischen Triebwerkausfälle bei Robinson-Hubschraubern extrem gering.

Tim Tucker, der schon die Entwicklungs- und Zulassungsflüge der R 22 durchgeführt hat und noch heute die monatlichen Safety-Kurse abhält, hat im März 2003 zu diesem Thema einen interessanten Artikel in der amerikanischen Zeitschrift Rotor & Wing geschrieben. Über die doch recht subjektive Verwendung der Statistiken darf man gerne streiten, aber die Philosophie, die hinter der Leistungsdrosselung steht, lässt sich hier sehr schön nachvollziehen.